Als Supercop auf Streife in Microsofts "Crackdown 2"

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default Als Supercop auf Streife in Microsofts "Crackdown 2"

Beitrag von sigi am Sa Jul 10, 2010 8:58 am

Höher, schneller, weiter – auch als Mitarbeiter der Agency muss man sich dem Leistungsdiktat unterwerfen. Denn nur wer körperlich fit ist, kann es in Microsofts Fortsetzung zu "Crackdown" für die Xbox 360 mit Horden wild gewordener Freaks und den Terroristen des Cell-Widerstands aufnehmen.







Warum überhaupt, das bleibt jedoch im Unklaren. Auf eine wirkliche Story wurde verzichtet, lediglich über die gesamte Stadt verstreute Audio-Tagebücher zeugen von den Ereignissen der letzten Jahre zwischen Teil eins und der jetzt vorliegenden Fortsetzung, und geben so Einblick in das, was in der offenen Spielwelt von Pacific City passiert ist. Wer sich aber nicht auf die Suche nach den Tonbändern begibt, wird demnach nie erfahren, warum er wie bereits im Vorgänger als "Supercop" für Recht und Ordnung zu sorgen hat.
Die Ziele sind allerdings auch ohne das nötige Hintergrundwissen klar definiert: Der Widerstand der Cell, einer Gruppe bis an die Zähne bewaffneter Terroristen, muss gebrochen und die ausschließlich des Nachts auftretende Bedrohung durch die Freaks beseitigt werden. Ersteres ist vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen: Über die Karte werden die als Cell-Widerstand markierten Punkte aufgesucht (was aufgrund einer unverständlicherweise fehlenden Navi-Funktion jedoch durchaus länger dauern kann) und alles, was im Weg steht, aus dem Weg geräumt.
Ist der Widerstand gebrochen, wandert das zuvor noch besetzte Gebiet in die Obhut der Hilfs-Sheriffs, den sogenannten Peacekeepern, die dort einen Stützpunkt errichten, welcher dem Agenten fortan als Nachschublager für Waffen und Fahrzeuge aller Art dient. Sollten dem Protagonisten bis dato unbekannte Waffentechnologien oder fahrbare Untersätze in die Hände fallen, können diese über den Stützpunkt auch in den Ausrüstungskatalog der Agency aufgenommen werden und stehen dann auf Abruf bereit.



Freak-Alarm bei Nacht


Etwas anders verhält es sich bei den Freaks. Die zu Hunderten bei Dämmerungseinbruch in Erscheinung tretenden Mutanten können nämlich nur per Strahlenkanone eliminiert werden. Und um diese in Betrieb nehmen zu können, bedarf es der Aktivierung spezieller Sendeeinheiten, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Erst wenn alle Antennen störungsfrei funken, ist es für den Agenten überhaupt ratsam, sich in die Höhle des Löwen unterhalb der Straßen von Pacific City zu wagen, wo es dann die Kanone solange mit Leib und Leben zu verteidigen gilt, bis sie vollständig geladen und abschussbereit ist.


Über den Dächern der Stadt


Die Probleme des frisch gebackenen Agents beginnen jedoch schon vorher. Denn wie soll man überhaupt raufkommen, zu den vornehmlich auf den höchsten Punkten der Stadt platzierten Sendeeinheiten? Die Antwort: mit Hilfe von Flinkheitskugeln. Die ebenfalls überall in der Stadt verteilten Kugeln verbessern die athletischen Fähigkeiten des Helden und tragen so sukzessive dazu bei, dass dieser höher und weiter springen und schneller laufen kann. "Learning by doing" ist schließlich angesagt, wenn es die vier weiteren Fähigkeiten zu schulen gilt: den Umgang mit Waffen, Sprengstoff, Fahrzeugen und Fäusten.
Wer also fleißig ballert, Sachen in die Luft sprengt, Gegner windelweich prügelt und zwischendurch auch noch mit dem Auto um die Blöcke heizt, und dabei etwa Stunt-Herausforderungen oder Checkpoint-Rennen meistert, reift nach und nach zu einem wahren Superhelden heran, der nicht nur bequem Häuserschluchten überspringen, sondern beispielsweise auch riesige Trucks als Wurfgeschoss nutzen kann. Was der Agent jedoch macht, bleibt voll und ganz dem Spieler überlassen.

Multiplayer-Freuden zu viert


Denn Freiheit wird in "Crackdown 2" großgeschrieben. Auch online, wo sich über Xbox Live bis zu 16 Spieler im Deatchmatch- oder Team-Deathmatch-Modus unter Beschuss oder kooperativ zu viert die Kampagne in Angriff nehmen können. Neu ist der sogenannte "Rocket Tag"-Modus, in dem ein Spieler 20 Sekunden lang dem gegnerischen Beschuss ausweichen muss. Aufgrund der geringen Teilnehmeranzahl vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin konnte dieser Modus allerdings bislang nicht getestet werden.
Nüchterner Look und Sound


In optischer Hinsicht bleibt "Crackdown 2" seinem Comic-Look treu und punktet neben der schieren Größe der Spielwelt insbesondere durch die vielen schönen Explosionen und die Vielzahl an Freaks, die ruckelfrei über den Bildschirm schlurft. Was das Stadtbild anbelangt, hätten die Entwickler von Ruffian Games ruhig ein paar Details mehr hinzufügen können, wirken die Straßen doch gerade im Vergleich zum Konsolen-Rivalen "infamous" etwas steril und leer.
Vergleichsweise minimalistisch ist auch der Einsatz von Musik. Nur wer eines der vielen Fahrzeuge, die sich übrigens allesamt unterschiedlich steuern, kapert, wird beschallt. Ansonsten herrschen das Stöhnen der Freaks, das Knattern der Maschinengewehre, die Schreie der Zivilisten und die mitunter nervigen, weil sich schnell wiederholenden Kommentare des Sprechers aus dem Off vor.


Kinderkrankheiten


Kritik gefallen lassen muss sich auch die Zielfunktion, die prinzipiell das falsche Ziel ins Auge zu fassen scheint. Für Kopfschütteln sorgt neben der bereits erwähnten fehlenden Navigationsfunktion auch, dass nicht ersichtlich ist, nach welchen Fenstersimsen und Vorsprüngender Supercop greifen kann. Wenn man dann noch von den eigenen Männern angeschossen wird, weil man beim Rangieren mit dem LKW versehentlich einen Zivilisten niedergefahren hat, oder man ständig im Raketen-Dauerfeuer der Gegner stecken bleibt, ist das Ärgernis mitunter groß.

Fazit: Wie ein guter Wein muss "Crackdown 2" ein Weilchen reifen, um sein volles Aroma zu entfalten. Das Fehlen einer Story und die große Handlungsfreiheit schmecken anfangs nämlich etwas trocken und wirken sich nicht gerade motivierend auf den Spieler aus. Mit Erstarken der Superhelden-Note gewinnt das Spiel jedoch an Geschmack und weckt die Sammelleidenschaft. Der vollmundige Abgang gelingt dem Titel aufgrund der oben erwähnten Kinderkrankheiten zwar nicht, wer auf der Suche nach einem actionlastigen und stark Gameplay-orientierten Shooter ist, kann seinen Durst mit "Crackdown 2" jedoch getrost stillen.
Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle www.krone.at

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