Beherrsche die Zeit im Shock-Shooter "Singularity

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default Beherrsche die Zeit im Shock-Shooter "Singularity

Beitrag von sigi am Sa Jul 17, 2010 8:34 am

Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es in einem bekannten Sprichwort. In Raven Softwares "Singularity" allerdings werden jede Menge alte (und neue) Wunden aufgerissen, wenn sich Captain Nathaniel Renko auf der russischen Forschungsinsel Katorga 12 ans Aufmischen von Mensch und Mutant macht. Dabei täuscht der gelungene Mix aus Gruselstimmung à la Bioshock, variantenreicher Zeitmanipulation, die auch einen "Doc" Brown nicht kaltlassen würde, und jeder Menge Ballerspaß gekonnt über kleinere Schwächen hinweg.




Reisen durch die Zeit und chrono(un)logische Geschichten haben die Menschen schon immer in ihren Bann gezogen. Doch kommt es immer darauf an, wie glaubwürdig man die Story und die fiktiven physikalischen Grundlagen verkauft. In dem Shocker-Shooter "Singularity" heißt das Zauberwort bzw. das Zauberelement "E99". Dies ist ein mächtiger, wie auch flüchtiger und nur schwer kontrollierbarer Stoff, der ausschließlich auf einer wenig einladenden Insel vorkommt und so manche Nebenwirkung hervorruft.



Acht Stunden lang zwischen 1955 und Gegenwart



Als im Jahr 2010 auf dem Eiland plötzlich Strahlung auftritt, werden die US-Militärs nervös und schicken ein Aufklärungsteam. Plötzlich flammt ein Lichtblitz auf, der Hubschrauber stürzt ab und damit geht der Spuk erst richtig los. In den lediglich rund acht Stunden Spielzeit bewegt man sich fortan zwischen den Jahren 2010 und 1955 hin und her sowie über die Insel hinweg.
Und das alles nur, weil man aus Zivilcourage den falschen Mann in der Vergangenheit rettet, der sich sodann in der Zukunft zum Herrscher über die Welt aufschwingt. Kurzum: Man(n) will alles ungeschehen machen. Wer noch mehr über die flüssig erzählte Geschichte von Katorga 12 erfahren will, kann seinen Wissensdurst mit etlichen Notizen, Film- und Tonbandaufzeichnungen stillen, die alle paar Meter in den Levels herumliegen.
Von Anfang an richtig beeindrucken können die Grafik – basierend auf der Unreal-Engine - und das aufwendige Leveldesign. Nicht selten ertappt man sich dabei, wenn man staunend auf gigantische Zeitwirbel blickt oder sich am puristischen Baustil des 50er-Jahre-Kommunismus erfreut. Zudem eröffnen die Zeitsprünge unterschiedliche Perspektiven auf die russische Forschungseinrichtung auf Katorga 12 und bilden diese zu ihrer Blütezeit und nach deren Verfall ab.



Projektilwaffen, die den Zeitfluss verlangsamen



Schnell wird klar, dass das Experimentieren mit E99 jede Menge Schattenseiten hatte und auch Versuche an Menschen zu dramatisch plastischen Deformationen geführt haben. Zudem scheint auch hier zu gelten: Mutation wirkt aggressionssteigernd. Und daher muss man mit allerlei brachialem Werkzeug Monstern und Soldaten zu Leibe rücken. Neben Schießeisen wie Revolver, Shotgun, Maschinen- und Scharfschützengewehr stehen auch E99-getunte Bleispritzen wie etwa das Seeker-Gewehr zur Verfügung: Dieses feuert Projektile ab, die den Zeitfluss verlangsamen und sich dadurch gezielt in die Köpfe seiner Gegner steuern lassen.

Die Zeit fest im Griff mittels ZMG



Doch in Singularity kommt es eben nicht nur auf den Abzugsfinger der rechten Hand an, denn sobald man mit dem so genannten ZMG (Zeitmanipulationsgerät) ausgestattet ist, das ähnlich einer Armschiene am linken Unterarm des Helden haftet, eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten den Fluss der Zeit zu seinen Zwecken umzulenken.
Mit dem ZMG lassen sich so zerstörte Objekte wie Kisten, Treppen, usw. in ihren Neuzustand zurückversetzen, Menschen altern dagegen unter dem Einfluss des ZMG rapide und verwesen binnen Sekunden vor den Augen von Captain Renko. E99-Impulse, schützende Zeitblasen und Anti-Gravitationskräfte schlummern zudem in dem handlichen Allzweckgerät. Schade nur, dass sich die manipulativen Kräfte nur auf ausgewählte Objekte in der Spielwelt anwenden lassen und die meisten Gegenstände von den Kräften des ZMG unbeeindruckt bleiben.
Da sowohl das ZMG als auch alle Schusswaffen mittels E99- und Waffentechnologie gepimpt werden können, bleibt die Motivation hoch, die einzelnen Level und Etappen nach den mitunter gut versteckten Objekten zu durchforsten. Schade nur, dass die höheren Upgrades erst kurz vor Spielende freigeschaltet werden können und deren Wirkung sich dadurch nur kurz entfalten kann.




In die Haut der grässlichen Mutanten schlüpfen



Ist der Storymodus erst mal zu Ende, kann man sich zum einen damit beschäftigen, die verschiedenen Ausgänge der Geschichte zu erspielen oder man wechselt direkt in den Multiplayer-Modus. Darin enthalten sind die Varianten "Extermination" – im Prinzip ein Deathmatch-Modus – und "Kreaturen gegen Soldaten", wobei man hier aus der Third-Person-Perspektive in die Haut der Mutanten schlüpfen kann. Dabei kann der Spieler dann beispielsweise mit explosiven Phasenzecken den Gegner mürbe machen oder er lässt als deformiertes Monster schlicht und einfach einen Brechanfall auf seine Gegner los.
Fazit: Obwohl von Anfang an Erinnerungen an den großen Bruder Bioshock wach werden, ist den Entwicklern mit "Singularity" ein sehr eigenständiges Werk gelungen. Das Spiel punktet durch den stimmigen Wechsel aus ruhigeren bzw. beklemmend-spannungsgeladenen Phasen und knallharter Ego-Shooter-Aufmachung. Die Kulisse in Kalter-Krieg-Optik ist gelungen und die (annähernd logische) Geschichte bietet durch die Sprünge zwischen den Epochen Abwechslung und Unberechenbarkeit gleichermaßen. Negativ schlägt in dem kurzen, aber knackigen Shocker-Shooter zu Buche, dass die Chrono-Manipulationen stark eingeschränkt sind und von Zeit zu Zeit eine schlecht "geschminkte" Begleiterin auftaucht, deren praktischer Nutzen äußerst fraglich bzw. verzichtbar bleibt.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 8/10




von Fritz Schneeberger www.krone.at

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