Fliegende Fäuste in "Tournament of Legends"

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default Fliegende Fäuste in "Tournament of Legends"

Beitrag von sigi am Sa Aug 07, 2010 8:58 am

Das Genre der Beat-em-Up-Spiele ist nicht gerade für seine Innovationsfreude bekannt. Ein Haufen wilder Recken, die sich gegenseitig die Kauleiste demolieren, und ein paar Arenen, die als Schauplatz der blutigen Auseinandersetzungen dienen – mehr braucht es für die Prügelspielchen zumeist nicht. Angesichts dieser Umstände ist es umso erfreulicher, wenn sich ein Publisher wie Sega mit "Tournament of Legends" redlich darum bemüht, einige Neuerungen einzuführen. Aber das Gegenteil von "gut" ist bekanntlich "gut gemeint"…





Tournament of Legends" sollte ursprünglich als "Gladiator A.D." in die Läden kommen und in Manier des Kino-Prügelstreifens "300" dank brutaler Finishing-Moves und realistischer Gewaltdarstellungen reichlich virtuelles Blut vergießen. Sega schmiss das Konzept im Februar dieses Jahres jedoch über den Haufen, taufte den Titel um und verpasste dem Spiel ein mystisch angehauchtes Äußeres.
Statt traditioneller Gladiatoren steigen nun der griechischen bzw. römischen Sagenwelt entlehnte Raufbolde, die Erinnerungen an die griechischen Zentauren oder Medusa wecken, in den Ring. Das Angebot ist mit lediglich zehn Recken, die sich in langsame, aber starke, mittelprächtige und schnelle, aber dafür schwache Helden unterteilen, mehr als übersichtlich, was übrigens auch für die Spielmodi gilt: Neben einem Trainings- und dem klassischen Versus-Spiel, in dem sich zwei Spieler gegenseitig die Hucke vollhauen, gibt es nur noch einen Story-Modus.
Wie üblich gilt es darin mit einem Charakter seiner Wahl gegen den Rest der Kämpferschar anzutreten. Bunte und hübsch gezeichnete Comicstrips schildern dabei zwischen den Auseinandersetzungen den Werdegang des eigenen Helden, der sich neben klassischen Schwert- und Prügelattacken auch mittels sogenannter Waffen- und Zauberspezialangriffe zur Wehr setzen kann.





Mit Magie zum Ziel


Da kann es passieren, dass sich plötzlich eine Bärenfalle auftut, in der der Kontrahent mit seinem Fuß stecken bleibt, sich urplötzlich ein wilder Löwe auf einen stürzt oder ein brennender Pfeilregen auf die Arena niederprasselt. Blocken hilft da meist wenig, und auch die Rüstung, die Kopf, Arme und Körper anfangs vor dem Ärgsten schützt, segnet derartigen Attacken ausgesetzt bald das Zeitliche.
Gefahr aus dem Hinterhalt


Gefahr droht jedoch auch von anderer Stelle, bewachen doch "mythologische Kreaturen" wie der Krabbenkönig oder ein Frostdrache die Arenen, um sich unverhofft auf die Duellanten zu stürzen. Nur wer rechtzeitig in Form eines Quick-Time-Events mittels Wii-Mote ausweicht, verhindert, zu Boden zu gehen. Sieht man einmal doch Sternchen, ist es wiederum ein Quick-Time-Event, der dem Spieler durch kräftiges Schütteln des Controllers zurück auf die Beine verhilft.






Zum Schütteln


Geschüttelt werden darf zu guter Letzt auch, wenn nach Ablauf der Zeit noch immer beide Kontrahenten aufrecht stehen und der Kampf in die Verlängerung geht. Rüstung und der eigene Gesundheitszustand können so in einer kurzen Phase der Regeneration wieder auf Vordermann gebracht werden. Hat man hingegen innerhalb des Zeitlimits sein Gegenüber auf die Bretter geschickt, können dessen Zauber und mit etwas Glück auch dessen Waffe angeeignet werden.
Zunichte gemacht werden diese durchaus spannenden und teils originellen Ansätze jedoch durch die Steuerung, die einerseits zu komplex, andererseits zu ungenau ist, sodass die Kämpfe schnell in kräftezehrende Fuchtelei ausarten. Die selbst für Wii-Verhältnisse stark grobpixelige Optik trägt ebenfalls nicht dazu bei, dass beim Spielen große Freude aufkommt.







Fazit: "Tournament of Legends" wirkt trotz einiger neuer Ansätze wie ein Relikt aus alter Beat-em-Up-Zeit. Die verschiedenen Zauber frischen die Prügelei zwar auf, eine altbackene Optik, die überschaubare Anzahl an Charakteren und Modi sowie die schwammige Steuerung sind jedoch schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Wer sein Hirn beim Spielen allerdings gerne auf Standby schaltet, um sich genüsslich archaischen Spieltrieben hinzugeben, liegt bei "Tournament of Legends" so falsch nicht.
Plattform: Wii
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 6/10




von Sebastian Räuchle www.krone.at

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