Gran Turismo 5": Kurvenwunder in Hochglanzoptik

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default Gran Turismo 5": Kurvenwunder in Hochglanzoptik

Beitrag von sigi am Mi Dez 01, 2010 8:33 am

Fans von "Gran Turismo" haben gelernt, sehr geduldig zu sein. Über fünf Jahre sind immerhin eine sehr lange Zeit, doch nun ist der schon sehnsüchtig erwartete fünfte Teil endlich am Markt. Unglaubliche 60 Millionen Dollar soll die Entwicklung unbestätigten Meldungen zufolge verschlungen haben. Ob sich dieser Betrag im Spiel widerspiegelt? So viel sei schon verraten: Zum Großteil sieht man "Gran Turismo 5" an, dass viel Zeit und Geld in das Spiel geflossen sind. Trotzdem ist nicht alles, was so schön glänzt und makellos aussieht, am Ende auch perfekt.





Die Vorfreude konnte kaum größer sein. Nachdem ich nach scheinbar endlosen Stunden endlich vor meiner PlayStation sitze und "Gran Turismo" starte, besser gesagt starten will, bekomme ich die Meldung zu sehen, dass es bereits ein Update gibt. Gut, was sind schon fünf bis zehn Minuten Wartezeit in Anbetracht der Jahre davor, denke ich milde. Schließlich ist das Update installiert und das Spiel startet.


Statt des erhofften Startscreens weist man mich nun freundlich darauf hin, bitte doch die Installation auf der Platte durchzuführen, um das bestmögliche Spielerlebnis zu haben. Wenn es denn sein muss. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, sind die rund 25 Minuten, die dieser Vorgang in Anspruch nimmt. Mit der Geduld ist das eine heikle Sache, aber wie schon gesagt: Nach fünf Jahren sollte man eigentlich gelassen darauf reagieren. Ich kann nur sagen, dass das alles Unfug ist. Ich mag nicht weiter warten, sondern loslegen!
Die gerade laufende "Two and a Half Men"- Folge trägt dann doch etwas zur Ablenkung bei. Nach insgesamt 35 Minuten flimmert schlussendlich das opulente Intro, welches fast schon Kurzfilm- Charakter hat, über den Schirm. Ich kann nur empfehlen: zurücklehnen und genießen. Im Startmenü werden schließlich bis auf andere Grafiken fast die gleichen Möglichkeiten wie in der abgespeckten Prologue- Version geboten: Arcade, GT- Modus, GT- TV, Anleitung, Option und - man glaubt es kaum - ein Streckeneditor stehen zur Auswahl. Ich will mich eigentlich nicht länger dort aufhalten, doch der Newsticker rechts oben lässt mich dann doch innehalten.








Dort ist von Problemen zu lesen, weil die Server aufgrund des Andrangs überlastet sind und das auch der Offline- Teil davon betroffen ist. Liebe Gran- Turismo- Entwickler, was habt ihr euch dabei gedacht? Der Ansturm war doch hoffentlich gewünscht und zu erwarten. Also entweder der Offline- Part lässt sich auch mit aktiver Netzwerkverbindung problemlos spielen oder aber es werden ausreichend Serverkapazitäten zur Verfügung gestellt.
Kopfschüttelnd starte ich den GT- Modus. Dort sind wiederum alle bekannten Optionen zu finden. Angefangen von der eigenen Garage, dem Autohändler, einem Gebrauchtwagenhändler, dem Tuningbereich, dem GT- Auto- Bereich für die Wagenpflege, dem Trainingspart, den Lizenzprüfungen bis hin zu den A- Spec- und B- Spec- Rennbereichen. Über 1.000 Automodelle sind im Spiel zu finden. 200 davon sind als Premium- Modelle besonders detailliert ausgearbeitet und können im Foto- Modus entsprechend elegant in Szene gesetzt werden.





Ich widme mich umgehend der B- Lizenz- Prüfung. Zehn verschiedene Aufgaben sind dabei zu erfüllen. Das erste Mal auf der Strecke bewundere ich die Full- HD- Grafik, die einfach sensationell aussieht. Die Fahrzeuge scheinen direkt dem Herstellerkatalog entsprungen zu sein. Alles funkelt und blitzt, ich komme mir vor wie bei einer Fahrt in einem sich bewegenden Hochglanzprospekt. Nach jedem bestandenen Prüfungsteil gibt es Erfahrungspunkte. Bestimmte Modelle können erst mit dem Erreichen höherer Levels erstanden werden. Klingt irgendwie logisch. Als Anfänger gleich mit einem 500- PS- Monster loszulegen kann, unabhängig von den nicht vorhandenen Credits für den Kauf, nicht gut enden.
Mit der B- Lizenz in der Tasche, erhalte ich neben einem Wagen auch die Berechtigung, an den Spezialevents für Go- Kart und Nascar teilzunehmen. Ein Kart bekomme ich praktischerweise gleich dazu. Damit geht's auch direkt auf die Strecke. Die Anfänger- Meisterschaft entscheide ich spielend für mich. Die Karts sind eine nette Abwechslung zum restlichen Fuhrpark, da sie sich grundsätzlich anders fahren.
Mit den gesammelten Credits entscheide ich mich dann nach einigem Stöbern für einen blauen Mini Cooper S, um die ersten Cup- Rennen zu bestreiten. Auch da bin ich noch sehr erfolgreich. Das liegt nicht nur an der eingängigen und leicht zu beherrschenden Steuerung sowie dem guten Fahrverhalten meines Minis, sondern auch an der noch immer miserablen KI der Gegner. Vielleicht aber auch daran, dass ich schon ordentlich Tuning- Teile in meinen Wagen gestopft habe. Auf den Geraden sieht die Konkurrenz so höchstens mein Heck langsam am Horizont entschwinden.







Einige aus alten Teilen bekannte Strecken später geht es für mich zum ersten Mal bei einem Nachtrennen zur Sache. Das Ganze schaut einfach noch einen Tick besser aus als das bisher Gesehene, aber ist noch nicht der Gipfel. Als ich nämlich das erste Mal durch London und Madrid düse, bleibt mir vor Staunen der Mund offen stehen. Beindruckend, was da auf den Schirm gezaubert wird. Dagegen wirken alle anderen Strecken danach beinahe schon wieder hässlich. Nicht nur die Gebäude sind detailliert zu sehen, sondern es tut sich auch etwas abseits der Strecke. Die Zuschauer jubeln, diskutieren, fotografieren oder weichen erschrocken zurück, wenn der Wagen zu nahe an die Streckenbegrenzung gerät. In Madrid ergießt sich das Wasser eines Brunnens in der Sonne glitzernd in das Becken. Fast möchte man da einfach nur gemächlich durch die Stadt kurven.

Nach dem ersten Staunen fallen mir allerdings auch ein paar Schwächen in der Hochglanzoptik auf. Die Schatten wirken teils etwas pixelig und in Stadtkursen, aber glücklicherweise eigentlich nur in den Wiederholungen, ist ein unschöner Effekt zu bemerken, bei dem der Bildaufbau nicht ganz synchron ist. War da nicht noch etwas? Ach ja, ein Schadensmodell soll es auch geben. Ich habe eines gesehen, allerdings nur ein sehr zurückhaltendes. Selbst bei einem absolut heftigen Aufprall tut sich recht wenig. Totalschäden habe ich in der bisherigen Testzeit jedenfalls keine zu Gesicht bekommen.
In einer kurzen, erzwungenen Rennpause, meine Finger spielen einfach nicht mehr mit, werfe ich einen Blick auf den Streckeneditor, der das Erstellen von neuen Kursen zum Kinderspiel macht. Die niedrige Komplexität erlaubt allerdings nur eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten.
Der Online- Modus verspricht zusätzliche Abwechslung. Aufgrund der Serverüberlastung konnte ich jedoch leider nur wenig Zeit dort verbringen, weshalb ein Urteil darüber verfrüht wäre. So, jetzt muss ich aber wieder zurück auf die Strecke. Mein Mini Cooper braucht nämlich noch unbedingt und ganz dringend die zweite Motorausbaustufe.



Fazit: Die Wartezeit hat sich großteils gelohnt. "Gran Turismo 5" ist der wahr gewordene Traum für alle, die ein gewisses Faible fürs Auto haben. Das perfekte Spiel ist es aber nicht geworden, denn technische Mängel und die schwache KI trüben den Gesamteindruck. Auch die Menüführung hätte etwas benutzerfreundlicher gestaltet werden können. Für alle PS- Interessierten PS3- Besitzer ist "Gran Turismo 5" dennoch ein Muss. Schöner konnte noch nie über Asphalt, Schotter oder Schnee gebrettert werden.
Plattform: PS3 (getestet)
Publisher: Sony
krone.at- Wertung: 9/10

von Harald Kaplan www.krone.at

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